| Vorbemerkungen
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| Der schulische Fremdsprachunterricht gewinnt
an Wichtigkeit. Eine ausreichende Kompetenz wenigstens in der gegenwärtig
meistgelernten Fremdsprache der Welt, in Englisch, ist kaum zu entbehren,
um an der interkontinentalen wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen
Zusammenarbeit teilzunehmen. Die Vervollständigung und Festigung der
Europäischen Union aus gleichrangigen Nationen ist kaum möglich
ohne eine erneute Ausbreitung des Verständnisses der europäischen
Zentralsprache, die in diesem Staatenbund am meisten gesprochen wird: Deutsch.
Der zusätzliche Erwerb wenigstens passiver Kenntnisse der regionalen
Nachbarsprache und des Latein als der traditionellen neutralen Sprache
des vielsprachigen Europa wird zum Entstehen eines Gefühls der europäischen
Identität beitragen. Wichtige, in Europa entstandene Brückensprachen
zu anderen Kontinenten sind und bleiben, außer Englisch, auch Französisch,
Spanisch und Portugiesisch. Und Russisch ist weiterhin die Verkehrssprache
des benachbarten nordasiatischen Staatenbundes. |
| In mehreren europäischen Ländern
bemüht man sich bereits, zur Befriedigung des Bedarfs an Sprachkenntnissen
beizutragen, indem man mit dem Fremdsprachunterricht schon in der Grundschule
beginnt. Meistens unternimmt man Anstrengungen, dort Grundkenntnisse des
Englischen zu vermitteln, in Ausnahmefällen stattdessen Grundkenntnisse
in Französisch, Deutsch oder einer anderen ethnischen Fremdsprache. |
| Unter der Vielzahl pädagogischer und
kulturpolitischer Gründe, weswegen dieser Frühfremdsprachunterricht
ein zu vermeidender Irrweg ist, konzentriert sich unser Buch im wesentlichen
auf nur einen: das erstrebenswerte Ziel ist auf einem besser geeigneten
Weg zu erreichen. Wir versuchen, durch empirische Beobachtungen und theoretische,
speziell kommunikationskybernetische Schlußfolgerungen systematisch
nachzuweisen, daß (wie in anderen Lehrgebieten) auch in der Fremdsprachpädagogik
der propädeutische Weg durch ein lernerleichterndes weil transferbewirkendes
Lehrstoffmodell vorteilhaft ist. Eine solche grundschulpädagogische
Propädeutik zum späteren Lernen ethnischer Fremdsprachen nennen
wir "Sprachorientierungsunterricht". Die bestgeeigneten Lehrstoffmodelle
sind üblicherweise die vernünftig konstruierten. Das vernünftige
Konstruieren von Sprachmodellen ist Thema der Interlinguistik. |
| Eine Theorie des Sprachorientierungsunterrichts
stützt sich also auf zwei Grundlagen: einerseits auf die Kommunikationskybernetik
(ein zusammenhängendes Theorienbündel aus Informationspsychologie,
Bildungskybernetik [kybernetische Pädagogik], Sprachkybernetik und
Informationsästhetik), andererseits auf die Interlinguistik
(zu welcher geschichtlich und systematisch in erster Linie der Sprachvergleich
zum Zweck der Sprachplanung gehört). Trotzdem erfordert dieses Buch
keine Vorkenntnisse über diese beiden Fachgebiete. Im Gegenteil: es
führt in die benötigten elementaren Erkenntnisse beider ein.
Für den künftigen Sprachorientierungslehrer (als erstes Land
hat Italien diese Qualifikation schon zugelassen) wollten wir damit ein
Lehrbuch schaffen, durch welches die hervorragende Einführung von
E.Formaggio (1995) in die Methodik dieses Lehrgebiets auf eine vertiefte
theoretische Grundlage gestellt wird. |
| Beide Autoren arbeiteten beim Sprachorientierungsunterricht
organisatorisch, bei der Unterrichtsdurchführung und forschend seit
dem Start 1975 in Paderborn zusammen. Beide trugen die gewonnenen Erkenntnisse
im In- und Ausland bei wissenschaftlichen Tagungen und durch verschiedensprachige
Fachveröffentlichungen vor - und später verschiedenenorts durch
universitäre Lehrveranstaltungen deutschen und internationalsprachigen
Studierenden. Auch bei der Verwirklichung dieses Buches arbeiteten sie
zusammen und teilten die Abfasssung der einzelnen Kapitel nicht unter sich
auf. Dennoch ist es vielleicht erwähnenswert, daß für die
richtige Anwendung der benutzten mathematischen Werkzeuge in erster
Linie der erste Autor verantwortlich ist - der zweite übernahm die
Verantwortung für die typographische Nutzung des Werkzeugs Rechner.
Für die Mithilfe bei verschiedenen Komponenten unserer Arbeit
danken wir Christel Scheffler (Korrektur des deutschen Textes), Ana Maria
Pinter (Korrektur der Textfassung in ILo und Erstellung der Register),
Sonja Rettler (Kontrolle der Übungsaufgaben) und nicht zuletzt Udo
Ehmke und Alexandra Trif (Verwirklichung von Rechnergraphiken). |