Tour-Tagebuch

 erholsamer Pso di Manghen   Pso. di Manghen

 

Tag 1 :    Anreise: Paderborn - Allgäu - Berchtesgaden
Tag 2 :    Berchtesgaden - Großglockner - östlicher Dolomitenrand
Tag 3 :    Arnbach - 3-Zinnen - Giau - Welschnofen
Tag 4 :    Südostrunde: Trentino - Venetien
Tag 5 :    Südwestrunde: Gardasee - Gavia - Stilfser Joch
Tag 6 :    fast die Sella-Runde
Tag 7 :    Bozen - 7 Pässe - Locarno
Tag 8 :    Schweiz - Italien - Frankreich - franz. Alpen: Teil 1
Tag 9 :    franz. Alpen: Teil 2 - Mittelmeer
Tag 10 :  nach Norden: Teil 1: Mittelmeer - Geneve
Tag 11 :   nach Norden: Teil 2: Geneve - Paderborn
 

Prolog:
Lange habe ich mit mir gekämpft, gezögert, gezweifelt. Letztlich war es dieser "innere" Drang es zu tun, es genau jetzt zu tun. Über meine persönlichen Gründe möchte ich hier nicht schreiben. Nur so viel: 10 Jahre lang bin ich kein Motorrad gefahren und das nachfolgende ist in großen Teilen die Erfüllung vieler kleiner Träume. Vielleicht war dies auch schon eine Art Vorbereitung? Dieses wird also ein reines Motorrad-Tagebuch!

Vorwort:
In der Vorbereitung sah es im April/Mai, als ich die Maschine gerade hatte, so einfach aus: einfach drauf und los. Doch als es konkreter wurde, mußten neue Reifen her, ein Kettensatz und div. andere Teile. Über 1.000 Taler stecken in der Maschine. Der "Urlaub" damit eigentlich auch schon. Kaufen wollte sie aber auch niemand. Doch wo ein Wille, ist eben auch die Sparkasse - mit ihrem Dispo. :) Doch genug!

Der Start ist spontan um ca. 1 Woche vorverlegt. Deshalb ging der 18.8. mit Packen und Kleinigkeiten rum. Selbst die Kombi - immerhin schon 21 Jahre alt - hat mal wieder "Fett" bekommen. Allen Fragenden nach dem wann und wohin habe ich einfach konkret mit 19.8. um 2:00 Uhr geantwortet - die beste Methode, alle zu beruhigen. Tja, und dann sind da noch die wirklich lieb gemeinten "fahr vorsichtig"-Wünsche. Auch die habe ich gerne entgegen genommen.
 

Mittwoch, 19.8.98 - 1. Tag
Da bin ich doch tatsächlich heute morgen um Punkt 2:00 Uhr los!!! Nur einen Augenblick zögerte ich, denn ich hatte nur drei Stunden geschlafen, als der Wecker klingelte. PB - Kassel - Würzburg - Ulm? Nun, ich wollte sowieso noch bei Hein Gericke in Kaufbeuren vorbei, lag doch auf dem Weg? :) Da war ich schon um 9:00 Uhr und der Laden öffnete erst um 10. Über die Autobahn gibt es nicht viel zu sagen: kalt! viel Spritverbrauch.

In Kaufbeuren bin ich dann erst mal zum Friseur und um 10 zu HG. 2l Öl gebunkert, da ich offenbar viel Öl verbrauche und den Reservekanister (2l) gekauft, da ich sonst wohl gerademal 200 km schaffe und vielleicht keine Tankstelle kommt (stellte sich aber später als völlig unbegründet heraus. Der Reservekanister ist immer noch voll. Tankstellen gibt es überall genug. Und wenn Mittagspause ist oder Nacht, dann kann man fast überall am Automaten tanken.) Und was mache ich nun mit dem noch vor mir liegenden Tag? Soll ich gleich nach Berchtesgaden, meinem ersten Tagesziel? Camp BGL

Nein, das wäre viel zu schade für diese Gegend. Also auf nach Füssen/Reute und dann erst mal die Strecke zum Linderhof gefahren. Da gab es doch im Netz so ein paar schöne Beschreibungen. Die Strecke ist wirklich toll! Und weiter?

Garmisch mag ich nicht -> umfahren. Also die Dosenbahn bis zur nächsten Abfahrt Richtung München rauf. Und dann ab nach Kochel und von dort wieder gen Süden. War das nicht die Strecke, die am Wochenende zumindest in einer Richtung für Motorräder gesperrt ist? Einfach super! Bei einer Rast gab mir ein Ingolstädter noch ein paar Tips. Aber um heute noch nach Berchtesgaden zu kommen, müßte ich wohl wieder auf die Autobahn. (?) Ein Paar aus Paderborn habe ich auch getroffen - die fahren nach Sterzing.

Ich wollte dann die Vorderriß-Mautstraße gen Osten nehmen. Erwischt habe ich aber die Jachenau. 5,- Maut für ein schönes Vergnügen. Da kommt man dann kurz vor Lenggrieß wieder raus. Also mußte die Karte wieder helfen. Bad Tölz - Miesbach - Schliersee . Bayrischzell + Tatzelwurm (!) - Oberaudorf - Köchel - Reit im Winkl! Keine Autobahn!

Von den insgesamt 932 km an diesem Tag sind rund 500 Autobahn. Der Rest: Fahren, Brennen, und toi, toi, toi - keine brenzlige Situation.

Genau genommen bin ich in Schönau, direkt am Königssee und der Bobbahn auf dem Campingplatz, aber das ist für mich Berchtesgaden. So habe ich heute schon einen sehr ausgiebigen Allgäu-Tag hingelegt, genau der richtige Einstieg! Und morgen: Roßfeldstr., 2 kleinere Übergänge und dann der Großglockner und ab nach Italien, wahrscheinlich nach Sesto am nordöstlichen Dolomitenrand. Hoffentlich spielt wieder alles mit. Jetzt, nach Schinkennudeln im Einheimischenlokal, telefoniere ich gleich und schlafe mich für morgen fit. Heute nacht könnte es ganz schön kühl werden.

 

Donnerstag, 20.8.98 - 2. Tag
Ich muß mir den Wochentag merken, sonst ist mein Zeitgefühl bald völlig weg. Der Tag hat fast optimal begonnen. Nach dem Zeltabbau war ich schon geschwitzt. Leider war das Zelt vom Morgentau noch feucht und ist es jetzt immer noch - aber dazu später noch.

Roßfeldstr.Ich wollte so früh los, doch erst um 9:15 Uhr war ich abfahrbereit. Nun ja, mit 322 Tageskilometern habe ich mich ja auch nicht übernommen. Gleich vom Campingplatz weg bin ich zur Roßfeldstr. Mit 5,- Maut sind sie dabei! Herrlich, einfach super gut. Im T-Shirt habe ich auf einer Bank gesessen, telefoniert, 2 Morgenzigaretten geraucht und bei strahlendem Sonnenschein die Aussichten genossen.

Vom Roßfeld nach Hallein (A) und weiter bis Bischofshofen ab nach Saalfelden über den Dientener SattelDientener SattelEbenso schön: Kurven, Dosen + Gas geben. Bei einer Pause gesellte sich ein Österreicher zu mir, den ich später beim Großglockner wiedertraf. Bei der Rast erschien es ihm noch zu weit.

Über Zell a. See ging es straight forward zum Großglockner: 33,- DM Maut! Dafür wird eine Menge geboten oder auch nicht. Die beiden Abstecher (Edelweißspitze + Franz-Josef-Haus) sind unbedingt zu nehmen. Vor allem der 2., sonst sieht man den Gletscher nicht wirklich. Oben befindet sich ein riesiges Parkhaus! Nachdem es anfänglich nur kalt war, zog es sich immer mehr zu. Die Regenkombi habe ich aber erst talwärts beim zus. Stop angezogen. Es konnte doch nicht regnen, wo der Tag so gut angefangen hatte? Es konnte (!) und hörte fast nicht mehr auf.

Edelweißspitze 1   <= Edelweißspitze  => Edelweißspitze 2           Großglockner: Großglockner
 

Vom Großglockner ging es nach Lienz und weiter Richtung Sillian/Italia. Ich wollte doch unbedingt nach Sesto. Zwischendurch hatte ich die Regenkombi bei einer Rast mal wieder weggepackt aber schon wenige Kilometer später wieder an.

Über Sesto gibt es nicht viel zu sagen. Durchnäßt suchte ich im Regen nach einem Quartier. Mir war schon alles egal, ob zelten oder teuer übernachten, Hauptsache: Unterkunft. Aber, es gab nichts! Also schickte man mich wieder gen Austria. Zwischendurch habe ich es noch bei mehren Quartieren und Touristen-Info-Büros probiert. Keine Chance!

An der Grenze hielt ich bei einem Herforder, und wir rauchten eine Zigarette. Auch er hatte noch nichts und überlegte sogar wieder nach Deutschland zu fahren!

Inzwischen war es 18:30 Uhr! 3-4 Kilometer weiter habe ich nun ein Quartier gefunden. 360 ÖS, ohne Dusche, inkl. Frühstück.

Ich habe überlegt, ob ich hier ein paar Tage bleibe (Schild am Eingang: bikers welcome!). Obwohl also biker-freundlich, haben die einen harten Abzocker-Wechselkurs: 100 DM = 340 ÖS! Also habe ich ein paar Mal telefoniert, um morgen doch noch in Italien etwas zu finden. In Welschnofen, Garni Doris (Adr. aus internet) soll es werden. Die Frau war nett am Telefon und der Preis soll 30.000 Lire sein - also ganz ok. Hoffentlich finde ich damit mein Quartier für die nächsten Tage. Denn: das Fahren hier ist wirklich klasse!
 

Freitag, 21.8.98 - 3. Tag
Hochrast 1 Um 7:15 Uhr saß ich schon beim Frühstück, alle Sachen gepackt. Um 8:15 Uhr fuhr ich los. Das Wetter: trocken, aber Hochrast 2dichte Wolken tief hängend über mir. Dennoch, ich wollte Denzel 211-212 machen - hatte ich doch gestern abend so passig gelesen, daß dies gleich um die Ecke von hier ist. SG 3-4, ob ich das packe? Die alte asphaltierte Straße war wirklich toll, und im Wald war der Dunstnebel sowieso kaum merklich. Dann der Abzweig zur Hochrast - Waldweg, nix Asphalt. Was soll ich sagen - ich bin "oben" angekommen - über den Wolken mit Sonne und herrlicher Aussicht! Runter gings auch gut. Dann der Abzweig Markinkele. Nach ca. 1 km wendete ich: steil, ausgewaschen, abenteuerlich. Es ist aber keine Niederlage, sondern Vernunft - mein Gepäck wollte sowieso immer runter, vorne nach links, hinten nach rechts. Die "kleine" Straße auf Asphalt ging noch bis Toblach. Im Dunst glitt ich gemütlich dahin und nahm dann Kurs auf die 3-Zinnen!

Die 3-Zinnen sind wohl das "Bild" der Dolomiten. Schließlich waren es auch wieder 10.000 Lire um bis fast ganz oben zu dürfen. Aber: sagenhaft, einmalig!

Oben habe ich Bekanntschaft mit einem Züricher gemacht. Und da wir die gleiche Richtung einschlagen wollten, sind wir ein Stück gemeinsam gefahren. D.h. er vorweg und ich hinterher gebrannt. Lag es am Gepäck, am Mut, an der Maschine? Ich muß zugeben, er fuhr schneller, aber wirklich nicht viel. So weiß ich zumindest, was geht und werde ich den nächsten Tagen noch üben. :-)

Auf dem Gipfel des Pso. di Giau haben wir dann einen Cappucchino genommen und uns getrennt. Der Giau ist auch einsame Spitze! Soviele Kehren usw. - das Stilfser Joch wird da viel zu hoch gelobt. Vor allem ist es hier viel enger. Durch die Ferien sind allerdings noch eine Menge Dosen unterwegs. Aber größere Hindernisse stellen sie nicht dar.

Irgendwie spürte ich, daß ich heute zügig nach Welschnofen fahren sollte. Also habe ich nach dem Giau die Richtung Falcade eingeschlagen und bin über den Pellegrino nach Moena. Von dort ein Stück nach Norden und über den Karer nach Welschnofen.

Um halb drei fand ich auf anhieb "Garni Doris" Leider :-), gibt es nur ein DZ, das ich jetzt alleine habe für 30.000 Lire mit Frühstück. Das Bad ist eine Etage höher, Toilette gegenüber, aber sehr ok. Fürs Zelten müßte ich auch 20,- Mark zahlen, wäre naß, könnte jetzt auch nicht so schön sitzen usw. Das Zelt habe ich auch noch etwas trocknen können, bevor es anfing zu regnen. Öl habe ich etwas nachgefüllt, die Kette ist ok.

Morgen kann ich also ohne Gepäck starten! Mal schauen, wo es hingeht. Die Sella-Runde (Sella, Grödner, Pordoi) - nee, nicht am Wochenende. Trentino, südlich, Bozen/Jenesien oder Dolomiten-Kleinstraßen ... Ich muß noch mal die Karten befragen und vor allem das Wetter.

16 Postkarten habe ich auch schon geschrieben, gemütlich bei Capu + Gelati - "meine" Pizzeria liegt übrigens auch gleich auch der anderen Straßenseite! Jetzt ist es 19:25 Uhr. Ich glaube, bei einer Pizza oder Salat läßt es sich besser über die nächsten Touren nachzudenken.

Heute gefahren: 219 km, aber sehr, sehr schön!
 

Samstag, 22.8.98 - 4. Tag

Jochgrimm  Jochgrimm

Nein, das stimmt nicht, denn heute ist Sonntag, 23.8. - 7:15 Uhr, wo ich jetzt gerade schreibe. Aber gestern abend bin ich nicht dazu gekommen bzw. war zu faul. Jetzt habe ich noch etwas Zeit, denn Frühstück ist erst ab 8:00 Uhr.

Vom vielen Schotterfahren ist mir gestern eine Mutter für die Halterung von Tacho+Drehzahlmesser "hops" gegangen. Die Schraube lag eingeklemmt irgendwo zwischen den Kabeln. Und irgendwo in der Provinz hat mir ein netter Mechaniker bei einer dörflichen Reifenwerkstatt mit "leerer" Ford-Vertretung ne Mutter gegeben. Nein, er hat sie auch festgemacht (und gleich die zweite nachgezogen). Ich gab ihm 5.000 Lire und wir waren wohl beide zufrieden.

Aber zum Tag. Da Samstag war, wollte ich die Dolomiten "umfahren". Die ital. Ferien gehen zu Ende und nur zwischen den Dosen geklemmt zu sein, ist auf Dauer auch öde. Außerdem gibt es den San Boldo!

Fast wie heute morgen stand ich schon vorzeitig bereit zu frühstücken. Es hat was, mit Kaffee + 2 Semmeln loszufahren.

Von Welschnofen nach Birchabruck, dann links über den Lavaze - vorher noch zum Skiort Obereggen einen Bogen gemacht. Es war kühl, aber klar und trocken. Oben, am Lavaze überlegte ich zuerst, ob Jochgrimmkamm oder nicht. Ich habe es nicht bereut. Total toll! Wahnsinnssicht, Kühe mit Musik = Glocken. Besser geht es nicht. Dort gibt es auch eine Station und die Ü/F kostet 35.000 Lire. Beim nächsten Mal möchte ich dort auch einmal aufwachen und gleich am Morgen diese Aussicht haben.

Weiter gings nach Cavaleze + nach Süden über den ManghenManghenEr sollte auf jeder Fahrt dabei sein. Kleine Straße, höchstens 11/2 Spuren, einfach verdammt gut!

In Castelnuovo bin ich dann nach Murrano über die teilweise als Schnellstraße ausgebaute Strecke. Mal wieder 150 auf dem Tacho - auch nicht schlecht. In Bassano war es dann warm und der Capu schmeckte auch.

Nun wollte ich einfach rüber nach Valdobbiadene - Tovena. Was jedoch auf meiner Karte teilweise mit grün unterlegt (= schöne Strecke) war, entpuppte sich als ganz normale Straße. D.h. die Dörfer reihten sich endlos aneinander. Die Luft war warm, dunstig. Die 50 km/h hält aber zum Glück auch hier keiner ein. Irgendwo dazwischen hatte ich dann das Glück mit der Werkstatt. Da ich doch zügig unterwegs war, habe ich den San Boldo erstmal liegen lassen und den Einstieg zum Col Visentin gesucht und auch irgendwie gefunden. Über eine asphaltierte Bergstraße geht es zunächst hinauf. Und dann heißt es Naturstraße -> 11 km. Ich habe nur die Hälfte geschafft. Oben war es in den Wolken weiter dunstig, so daß man nicht nach unten schauen konnte. Bei schönem Wetter sollte man bis nach Venedig sehen können. Dann lief mir nun doch langsam die Zeit davon und letztlich ist Naturstraße zwar schön, aber auch anstrengend. Bei der Talfahrt sind dann 2 Mountainbiker an mir vorbeigerauscht.

San BoldoDer San Boldo ist wohl einzigartig, hoffentlich ist mein Foto genauso schön wie im Denzel. Durch die Tunnel wird der Verkehr per Ampel gesteuert. Einfach irre! Wenn man in die Karte schaut, sieht man, daß der San Boldo die einzige Verbindung auf langer Strecke nach Norden ins Piave-Tal ist. Nach Belluno runter (oder hoch?) ist es dann wie im Allgäu mit paßähnlicher Abfahrt - ein Genuß.

Hinter Belluno habe ich getankt und ein dickes Eis reingezogen. Und der Heimweg über den Staulanza Zoldo  nach Caprile angetreten. Dort traf ich auf drei Paderborner. Die suchten noch Quartier für eine Nacht, waren aber bis auf einen offenbar schon etwas schlecht gelaunt. Da Regen nahte (R-Kombi an!) bin ich schnell wieder nach Hause (Pozza di Fasso) - Karerpaß.

Nur selten werde ich überholt. Und bis auf gestern, sind es nur Motorradfahrer. Gestern war es ein BMW. Man, ist der gebrettert!

Heute habe ich mir wieder Großes vorgenommen. Der Gavia ist fällig!  Schon zweimal bin ich dran gescheitert. 1981 hatte er noch Wintersperre, 1988 war er eine Baustelle, die zu zweit wirklich unpassierbar war. Gestern waren es 421 km und heute? Jetzt gibt es gleich Frühstück.
 

Sonntag, 23.8.98 - 5. Tag
21:35 Uhr. Was für ein Tag! Kurven bei Nacht, 13 Stunden unterwegs, Gavia, Stilfser Joch, alte Jenesier Str., 561 km. Und jetzt bin ich gleich in "meine" Gavia 2Pizzeria, aber heute abend gibt es Nudeln. Wo fange ich an? Wie?

Wie heute morgen beschrieben, hatte ich mir viel vorgenommen. Ich wußte, die Strecke ist lang. Über Deutschnofen bin ich hinab ins Tal nach Auer/Ora - war schon sehr schön. Das Wetter: einfach toll, den ganzen Tag! Von Auer "schnell" in Richtung Trento - Riva. Riva - Gardasee  An den Gardasee. In Trento mußte ich schon tanken, in Riva war der 1. Capu fällig. Doch dann, wo geht es nach Briacese? Alles ist nach Brescia beschildert. Bis ich den Tunnel gefunden hatte, verging 1 Stunde mit schönen Kurven und Kehren. Auch hier gibt es also prima Straßen und Täler. :-) Als ich endlich die Richtung hatte, ging es zügig durch dieses wunderschöne Tal. Leider reichte die Zeit nicht, um einen Abstecher zum Tremalzo zu machen, jedenfalls bis dorthin, wo man noch darf.

Weiter ging es ein kurzes Stück auf der 237 bis der Hinweis nach Bagolino kam. Über den Croce Domini könnte ich viel schreiben. Ähnlich wie der Manghen, der mich schon gestern begeisterte. Später habe ich im Denzel gesehen, daß es dort in der Gegend noch mehr gegeben hätte. Aber ich "mußte" weiter zum Gavia.

Also habe ich nach kurzer Rast auf der Paßhöhe (Plausch mit einem Fahrer aus Rottweil/Schwarzwald) die weitere Strecke unter die Räder genommen. Ab Breno über die 42 nach Norden: Edolo und Ponte di Legna - der Einstieg zum Gavia. Meine "alten" Bilder vom Gavia-Anfang fand ich nirgends. Der Gavia ist inzwischen vollständig asphaltiert. Da bin ich 10 Jahre zu spät dran. Dennoch, er ist gewaltig, eng, kurvenreich. Das man dort überhaupt die Dosen rauf läßt?! Oben habe ich die Aussicht genossen, schneebedeckte Gipfel in greifbarer Nähe. Telefoniert habe ich auch noch nicht von so hoch oben. Dennoch, die Zeit drängte. Note für Gavia: 1.

Vom Gavia zum Stilfser Joch ist es über Bormio wirklich nicht weit. Auch das Stilfser Joch Stelvio 5 ansich ist eigentlich nur hoch. Die vielen Kehren beeindrucken wahrscheinlich nur beim 1. Mal. Zu viele Kehren hat es hier überall (s. heute abend - Steinegg). Oben ist immer noch der Rummel: Hotels, Souvenirs. Einen Capu habe ich mir dennoch gegönnt. Vorher am Umbrail-Abzweig habe ich noch ein Schwätzchen mit gesetzteren BMW-Fahrern gehabt, die ich teilweise beim Anstieg "hergebrannt" hatte. Die letzten schauten erstmal, was ich denn da so fahre. :) Fazit: Ich bin keinesfalls langsam!

Am Stilfser Joch war es bereits 5 und der Weg noch weit. Über die vielen Kehren geht es ins Tal nach Sponding und von dort über die 38 nach Meran/Bozen. Auf der 38 geriet ich prompt in den Urlauber-Rückreiseverkehr. Ich gebe zu, ich bin nur so geheizt - vorbei an allen Dosen!

So war ich relativ schnell in Bozen. Und dann der Hinweis "Jenesien". Da gibt es doch die "Alte Jenesier-Str.". Ich habe sie gefunden und bin rauf. Beinahe wäre ich auch den gesperrten Teil gefahren, die Schranke war auf, aber der Asphalt weg.

So traf ich Judith, Paul und Jürgen. Aus Ansbach (?). Mit ihnen bin ich rauf nach Jenesien und wir haben in ihrem Hotel auf der Terrasse noch was getrunken. Die Empfehlung für einen anderen Rückweg nach Bozen habe ich wohl nicht genau verstanden. Ich bin also weiter bis Flaad und mußte alles wieder zurück. Über die "neue Jenesier-Str." bin ich dann wieder nach Bozen. Tanken war jetzt auch wieder dringend angesagt und dann Richtung Karerpaß.

Entweder haben die Italiener nicht so mit der Beschilderung oder meine Nase hat mich heute zum 3. Mal im Stich gelassen. Es war schon dunkel, als ich nördlich aus Bozen rausfuhr. Kommt sonst eine Ortschaft nach der anderen, war es hier zunächst unmöglich überhaupt anzuhalten. Irgendwie hat's dann doch geklappt. Die Karte sagte mir, daß noch ein Stückchen weiter eine Straße rechts abgeht, die dann irgendwie nach Birchabruck führt - das wäre passig.

Die Straße führt zunächst - über 15 (!) Kehren - einfach mal so hinauf nach Steinegg. Das war richtig! Nach weiteren Kilometern ein Abzweig. Genauer geradeaus: ok! Das Ganze muß ich mir bei Tageslicht vielleicht noch mal genauer ansehen. Einige Kilometer waren es bestimmt - bei Nacht, aber irgendwie toll. Und dann, ein Abzweig nach Welschnofen. Herrlich! Um 21:19 Uhr stellte ich das Motorrad für heute ab.

Jetzt ist es 22:25 Uhr und ich muß auch hier beim Schreiben langsam zum Ende kommen. Mache ich morgen die Sella-Runde? Und dann?
 

Montag, 24.8.98 - 6. Tag
Mein Krokantbecher ist da, ich sitze im Trockenen, wo es jetzt gerade anfängt "richtig" zu schütten - ein Gewitter. Also erstmalGrödner 1 guten Appetit!

Ich glaube,Sella 2 ich bin heute absolut rechtzeitig zurück gewesen. Das Eis habe ich gerade noch fertig bekommen, bevor mich der stürmische Wind nach drinnen beförderte. Aber erstmal zum Tag, bevor ich gleich dusche und wahrscheinlich meine letzte Pizza reinschiebe.

Heute wollte ich die Sella-Runde machen und es gemütlicher angehen lassen. So bin ich nach dem Frühstück nicht gleich los, sondern erst um 8:45 Uhr. :) Über den Karer nach Canazei und dann das Sellajoch. Das Wetter war bescheiden. Zwar regnete es noch nicht, aber die Wolken versperrten die Sicht. Also schnell weiter zum Grödner Joch.  Auch hier dasselbe Bild. Zudem gingen mir die Busse und Dosen schon mächtig auf den Senkel. Also entschied ich, mir den Pordoi zu schenken und ein Stück nach Norden über den Würzgrimm zu fahren. Dazwischen liegen übrigens noch zwei schöne Pässe. Am Würzgrimm was Wetter auch wieder besser (keine R-Kombi). Zwischendurch fuhr ich ein Stück gemeinsam mit einem Essener Pärchen. Die hatten aber eine andere (langsamere) Fahrweise und Rhythmus. So trennten wir uns amPso delle Erbe Würzgrimm. Von da aus ging es nach Bozen, in der Hoffnung auf besseres Wetter. Irrtum! Zwar bin ich über Seitenstraßen nach Bozen gelangt, aber es nieselte und war anstrengend. Zwischendurch möchte ich den Abstecher zur Zannser Alm noch erwähnen. Die Alm scheint ein beliebtes Ausflugziel zu sein, denn die Einfahrt wird erst durch einen gebührenpflichtigen Parkplatz ermöglicht. Klar, das habe ich mir auch sofort geschenkt.

In Bozen gönnte ich mir den 1. Capu des Tages! Dann mußte ich doch unbedingt noch einmal die "Ravensteiner Str." suchen und finden: fantastisch! Die "alte Jenesier Str." habe ich dann gleich auch noch mal gemacht (alles wieder im Regenkombi für den Rest des Tages).

Der Ravenstein ist wirklich das steilste Stück, was mir bislang begegnet ist. Die alte Jenesier Str. - jedenfalls das befahrbare Stück - ist allerdings schwieriger (wegen der Kehren).

Trotz Nieselregens bin ich über den Niger zurück nach Welschnofen. Der Rest ist bekannt.

Morgen muß ich weiter, das spüre ich. Aber wohin? Lago Maggiore+zelten - bei so einem Wetter? Nach Hause?? Nein. Mittelmeer? Ziemlich weit. Toskana: ebenso weit und ich müßte quasi denselben Weg zurück nehmen. Übers Timmelsjoch zumindest nach Norden?

Ok, ich gehe jetzt erstmal duschen und stöbere weiter in den Karten. Dabei fällt mir bestimmt was ein. Und Packen muß ich auch noch. Übrigens bin ich Welschnofen bisher fast immer auf verschiedenen Weg an- oder abgefahren. Den direkten Weg nach Bozen kenne ich noch nicht. Nur den Karer habe ich jetzt schon dreimal genommen.
 

Dienstag, 25.8.98 - 7. Tag
22:16 Uhr. Ich sitze auf der Terrasse des Campingplatzlokals von Locarno. Beinahe hätte es nicht geklappt, denn ich wäre nicht bereit gewesen 45 SFR für eine Übernachtung zu zahlen. Aber zwei Motorradfahrer aus Lörrach (etwas mundfaul) teilen sich mit mir den Platz, so daß es "nur" noch 30 SFR für mich sind.

Viel mag ich heute nicht schreiben, trotz oder gerade wegen dieses Tages der Superlative: 515 km, 9 Pässe, darunter San Bernadino, Splügen Splügen, Julier, Albula, Bernina (1, 2, 3) !!! Das schlaucht, macht Spaß!

Morgen soll es ganz, ganz früh weitergehen: Vive la France!
 

Mittwoch, 26.8.98 - 8. Tag
Ich weiß garnicht, wo ich anfangen soll! Vielleicht beim einzig Negativem? Das Endstück meines rechten Brillenbügels ist futsch. Es war locker - jetzt ist es weg. Vielleicht finde ich es ja morgen früh, beim Zeltabbau. Es geht zum Glück auch so.

Und jetzt?! Ich habe gerade die Plat du Jour (Folienkartoffeln, Geschnetzeltes und Baguette) genossen. Dazu 1/2l vin de pays (rot, Cuveu du Patron?) Es geht mir blendend, fehlt fast nichts.

Wenn man rund 12 Stunden im Sattel unterwegs ist bzw. war, gibt es soviel zu schreiben. Wirklich, um Punkt 7 bin ich von Locarno los, Richtung Canubio (I). Vorher getankt (in der Schweiz recht günstig - ist aber wohl das einzige preiswerte dort), 2 Brötchen + 1 Kakao gebunkert. Von Brissago sollte es über eine kleine Straße nach St. Maria Maggiore gehen. Nach 44 km fand ich dann endlich auch ein Sonnenscheinplätzchen zum Frühstück. Die Strecke war toll zum "Warmfahren".

Danach sollte es über den Simplon Simplon 1nach Brig gehen. Ehrlich gesagt, wegen der Kälte kamen mir schon Zweifel, ob ich von dort aus nicht wieder Richtung Heimat fahren sollte. Aber ich fahre ja eh "auf Pump" und in Brig ging es auch schon wieder. Ach ja, der Simplon: eine Paß-Autobahn. Es hat zwar irgendetwas mit 100-120 km/h den Berg raufzufahren, aber was? Von Brig aus habe ich also doch die Richtung Martigny eingeschlagen. Den Abstecher nach Zermatt, um das berühmte Matterhorn zu sehen, mache ich irgendwann einmal. Das Tal zwischen Brig und Martigny ist wie viele der großen Täler. Nur von italienisch/deutsch wird plötzlich alles französisch. Vive la France!

In Martigny habe ich dann den Weg zum Großen St. Bernhard genommen. Bis zum Tunneleingang ist er auch fast wieder wie ne Autobahn. Dann ist er aber richtig gut. Oben traf ich ein Paar aus Gütersloh (2 Maschinen). Na ja, typische Westfalen. Auf der Abfahrt habe ich beide stehen lassen. :-)

Vielleicht gibt der Kleine St. Bernhard ja etwas mehr her, dachte ich, als ich wieder durchs Tals von Aosta bis Pre-St.Didier fuhr. Wobei, es ging ja gut. Die Hinweise auf den Mt. Blanc waren nicht zu übersehen und ich sah ihn auch schon. Obwohl der oben wirklich noch weiß - schneebedeckt war, bin ich nicht bis nach Courmayeur. Tja, der Kleine St. Bernhard ist 2188m hoch und schön. Zu viele 2000er in den letzten Tagen? Ich erinnere mich schon jetzt nicht mehr genau.

Es war noch früh genug, um weitere Pläne zu schmieden. Also -> Val d'Isere, den bekannten Wintersportort und anschließend den Col de l'Iseran.Iseran Die Auffahrt nach Val d'Isere hat schon viele Tunnel. Val d'Isere liegt dann 1850m hoch. Das reicht in Deutschland schon für einen hochalpinen Paß! Apropos Tunnel. Viele dieser Schnell- Auf- und Abfahrten sind getunnelt (meist halboffen).

In Val d'Isere habe ich dann das 3. Mal heute getankt. Hier in Frankreich ist der Sprit mit Abstand am teuersten! Und 600 FF hat mir der Geldautomat auch wieder gegeben. :-)

Also, der Iseran ist mit 2770m schon enorm. Die ca. 500m zur Paßdurchschnittshöhe machen doch noch einiges aus. Da liegt Val d'Isere dann plötzlich im Tal!

Gerade kommt mein "glace", das Eis zum Nachtisch. Ich bestelle in vier Sprachen, aber wie gerne würde ich französisch + italienisch richtig gut sprechen! Italienisch mache ich an der VHS auf jeden Fall weiter.

Nach dem Iseran und mit guten Eindrücken, habe ich im Tal erst mal den 2. Capu des Tages eingeschoben und neu überlegt. Habe ich schon erwähnt, daß das Wetter fabelhaft war? Es war etwa 16:15 Uhr. Eigentlich zu früh, um ein Quartier zu suchen. Es war doch warm, fast wolkenlos, optimal. Sollte man da schon an die Nacht denken?

Der Blick auf die Karte verriet schon den nächsten Leckerbissen: Col du Galibier  (weitere Bilder: 2, 3, 4) mit dem "vorgeschobenen" Col du Telegraph. Das mußte doch noch leicht zu packen sein. :-) Also los.

Nach Modane bis zum Abzweig zum Telegraph in St. Michel fährt man über eine große Verbindungsstraße nach/von F/I. Hier wird gerade so eine Talautobahn gebaut. Einfach irre zu sehen, wie das so entsteht (Brücken, etc.) Allerdings, hinter LKWs zu fahren, weil Baustelle und vorne 2* Schnittlauch (auch auf 2 Rädern), macht keinen Spaß.

Zum Glück fuhren die alle weiter nach Chambery/Grenoble und ich bog ab. Der Col du Telegraph ist ansich auch ein netter Paß, obwohl er die Baumgrenze nicht überschreitet. Endlich hat's mal wieder ein paar Kehren. (Auf den Autobahnpässen sind diese eher wie eine nicht enden wollende Kurve und werden mit großen Schilder angekündigt!).

Galibier 1  Galibier, 2642m + ein paar bis zur Aussichtsplattform

In Valloise geht es dann wieder richtig los und schon bald ist die Baumgrenze erreicht. Da wundert es schon, wenn dann plötzlich ein Schild besagt, daß es noch 8 km (oder waren es sogar mehr?) bis zur Paßhöhe sind!

Und da sind sie dann auch in Realität - die Ulrich's und Pantani's als Amateure und teilweise noch lesbar auf der Straße. Es ist schon irre, wie das dann immer weiter nach oben führt.

Tja, und oben sagte der Denzel, soll man ruhig noch ein paar Meter kraxeln, um die wirklich gute Aussicht zu genießen. Ich habe es in Leder auch geschafft - trotz der hervorragend dünnen Luft - und ich konnte doch tatsächlich den Mt. Blanc wieder sehen - greifbar nahe, obwohl einige Stunden Fahrt dazwischen lagen. Ich habe es genossen!

Auf der engen Abfahrt dachte ich schon wieder an die Tour de France. Der Galibier war nur der vorletzte Berg auf einer Tagesetappe. Zunächst geht es typisch paßmäßig runter, dann kommt man auf die Route National 91 (mit dem Col de Lautaret). Die TdF-Fahrer sind an diesem Tag noch nach Les-Deux-Alpes gefahren. Ich habe nun kurz vor Briancon einen Zeltplatz gefunden (50 FF) und weiß auch schon, wie es weiter geht.

Morgen stehe ich wieder früh auf (sowieso kein Problem) und fahre über den höchsten Straßen-Alpenpaß: Col de la Bonnette (2802m) und in den Grand Canyon du Verdon. Dort suche ich mir für zwei Nächte einen Campingplatz. Übermorgen sieht mich die Cote d'Azur und dann muß ich wieder nach Hause. Aber dabei habe ich das Gefühl, das ich bisher immer hatte: es ist genau richtig und reicht.

Für die Statistik: heute 567 Tageskilometer. Wenn ich wieder in PB bin, werden es über 5000 sein. Und das für ein wenig "Alpen-Cruisern". Gute Nacht! Bonsoir!
 

Donnerstag, 27.8.98 - 9. Tag
Wieder ein Tag der Superlative. Womit habe ich das verdient? Wenn Engel reisen, ... :-) Bonnette 1

Ich fange mal von vorne an - ausnahmsweise. Letzte Nacht habe ich gefroren! Mehrmals bin ich aufgewacht. Das einzige, was ich hätte noch anziehen können, wäre die Lederkleidung gewesen. Schon vor dem Wecker war ich also wach. Die Alternativen: Entweder noch etwas im Schlafsack frieren oder auf der Maschine. Nun, es war keine richtige Entscheidung. Da die Sonne es wegen der hohen Berge so früh morgens noch nicht schafft, irgendwo Licht reinzuwerfen, lag also alles im Schatten. Das Zelt war aber trotzdem trocken, auf der Maschine allerdings leichter Rauhreif! Kein Wunder, daß ich gefroren habe!

Demnach zog ich alles an, was ich für kalte Fahrten dabei hatte: lange Schlafanzughose unterm Leder, dickerer Pullover, Sturmhaube, 2. Paar Strümpfe. Um 7:15 Uhr ging es los. Ich glaubte mich ja eigentlich im Tal (nach dem Galibier), doch Briancon liegt noch immer 1500, hoch! Da wird es nachts eben kälter. Bis Briancon waren es nur wenige Kilmeter und dann ging es gleich hinauf zum Col d'Izoard (2361m). Mich fröstelte schon unten, noch vor acht Uhr wäre ich oben - wahrscheinlich steif gefroren.

So früh am Morgen ist jedenfalls kaum etwas unterwegs - ein riesiger Vorteil.

Meine Dame Blanche kommt gerade. Richtiges Essen schenke ich mir - kein Hunger. Oder vielleicht wegen der Preise (1 Cola, 1 Eis = 50 FF)?

Also weiter. Wo war ich? Ach ja, der ganze Tag liegt so früh am Morgen vor einem. Trotzdem habe ich den Izoard einfach so genommen, nicht schnell aber auch nicht lange verweilt.

Nach dem Izoard geht es nach Guillestre in ein weit auslaufendes Tal. Dort schien tatsächlich die Sonne. Überhaupt: auch heute wieder strahlend blauer Himmel! Aber, der Abzweig zum Col de Vars liegt unmittelbar vor Guillestre. Also nichts im Frühstückspause. Doch kam schon bald das nächste Dörfchen und beim Bäcker habe ich gleich vier pain au chocolat und ein croissant gekauft. D.h. zunächst war die Mischung 2 zu 1. Aber die ersten beiden pains habe ich gleich vor der Türe verzehrt. :-)

Hinauf zum Col de Vars kommt man durch mehrere Orte, die irgendwie Vars de .... heißen. Der letzte und höchste ist ein richtiger Wintersportort. Hier hatte es Sonne, ein Cafe, eine boulangerie und Terrassenplätze in der Sonne. Na, was habe ich gemacht?

Mit diesem Unterbau war der Vars (2111m) dann auch kein Problem. Wieder im Tal war die Strecke gesperrt, aber ich mußte nur eine Viertelstunde anstehen und bin dann auch als 1. durch. Drängeln möchte ich das nicht nennen, aber Motorradfahrer sind eben schneller, außer den beiden aus A. Die blieben brav in der Reihe.

Bei der Abfahrt ließ ich dann einen einheimischen Peugeot 105 vorbei und klemmte mich ran. Selten habe ich eine so schnelle Abfahrt gehabt. Doch schon bald tauchte das Schild zum Col de la Bonnette auf.

Bonnette 2 Col de la Bonnette, Aussichtsplattform @ 2862m

Mit 2802m der höchste europäische Alpenpaß für "Normalfahrer". Nur ein paar wenige Schotterstrecken liegen höher.
Wie am Galibier ist es hier besonders eindrucksvoll. Die Einfahrt beginnt in Jausier und man fährt ca. 23 km bis zum Gipfel, davon mind. 10 weit oberhalb der Baumgrenze. Sogar ein Murmeltier oder so was ähnliches habe ich flitzen sehen. Und Schafe hat's oben auch, Kühen ist es wohl zu kalt. Einige "Leithammel" tragen aber genau wie die Kühe Glocken!

Am Gipfel ist nicht viel Platz, kein Vergleich z.B. zum Sella-Joch. Wie am Galibier kann man auch hier noch ein Stück raufgehen - auf 2862m. Das hört sich nicht viel an, lohnt sich und ist in der dünnen Luft auch anstrengend. Oben traf ich drei Ulmer und wir haben uns fotographiert. Einen Briten habe ich dann noch mit Fahrrad ins rechte Licht gerückt. Er meinte stolz, daß er alle Pässe in nur fünf Tagen gemacht habe. Ich bewundere diese Leistung, meine ist aber auch nicht ohne, oder? Na ja, es ist wohl eher der Wahnsinn bei mir.

Bei der Abfahrt habe ich die Ulmer (3 Pers. - 2 Maschinen) stehen lassen und bin auf 2 aus ES (=Esslingen?) aufgefahren, die es zügig angehen ließen. So habe ich trotz des schlechten Belags, der die Arme kräftig durchschüttelt, eine sportliche "downhill"-Strecke gemacht. Irgendwann im Tal kommt dann eine Abzweigung. Ich nahm die "falsche", d.h. ich landete in St. Dalmas le Selvage. Leider sah ich in diesem verschlafenen Dörfchen kein Cafe. Hinterm Ort hielt ich trotzdem an. Pain au chocolat essen, Zigarette rauchen und natürlich leichtere Kleidung: lange Hose, Pullover und 2. Socken aus. Dicke Handschuhe gegen dünne tauschen.

Bonnette 4
Just da war noch dieses Schild: Jausier, Col de la Bonnette 17km. Wo mochte die Straße nur lang gehen? Hatte ich etwas bei der Abfahrt verpaßt? Das mußte ich natürlich wissen! Das Sträßchen ist ein asphaltierter, gepuderter (=Rollsplitt) Forstweg, der aber benutzt werden darf. So windet er sich zunächst durch Wald und dann in die freie Welt. Doch viele kleine Kehren lassen einen schnell an Höhe gewinnen und schon sieht man den Bonnette. Doch dann? Der Asphalt endet und auf Schotter geht es weiter. Na ja, dachte ich, hört bestimmt gleich wieder auf und bis oben - das sehe ich doch schon. Ich schätze mal, es waren doch so 3 - 5 km, bis ich schließlich wieder auf der nördlichen Rampe zum Bonnette war.

Der Denzel hilft einem wie immer weiter. Vor dem Bonnette liegt der Restefond und man kann auch von dort wieder gleich abbiegen oder den Bogen zum Bonnette machen. Meine Schotterstrecke war da wohl der Col de Moutiere (?).

So beeindruckend diese einzigartige Höhenwelt ist, so viel schreibe ich auch darüber. Die 2. Abfahrt vom Bonnette nahm ich dann gemütlicher, einfach runter. Unten im Tal machte ich aber am Wasserfall des "La Tinnee" Rast. 90 Minuten hatte mich dieser Umweg gekostet und wohin jetzt?

Ich wollte ja eigentlich zum Grand Canyon. Aber irgenwie zog es mich nach Nice - Mittelmeer! Ca. 70 km noch, gut zu fahrendes Tal de Tinnee. Also, 1 mal tanken und nichts wie hin, so gegen drei Uhr müßte ich dort sein.

Kurz nach drei sah ich dann das Meer und hielt an einem der vielen Bistros. Dort folgt der zweite Kleiderwechsel: kurze Hose + T-Shirt. Gepäck also komplett runter und wieder alles neu festgezurrt. Über die richtige Kleidung zum Motorradfahren möchte ich mich an der Cote d'Azur nicht streiten.

Irgendwie ist die Küste zwischen Nice und Cannes faszinierend abstoßend zugleich. Diese herrliche Gegend läßt sich selbst durch stockenden Verkehr und jeden Zentimeter verbauten Raum nicht unterkriegen. Dennoch, schöner ist es erst ab Cannes in Richtung St. Raphael, weil dort die kleinen roten Buchten kommen (waren das nicht einmal mehr?). Azur 2Irgendwo bei Antibes hielt ich wieder, ließ die Füße im Wasser baumeln - ein wunderschönes Zigarettenpäuschen.

Die Zeit verging nur so im Fluge. Nochmal angehalten, geguckt, fotografiert usw. kurz nach sechs war ich erst in St. Raphael. Also steuerte ich einfach den nächsten Campingplatz an, wo es 90 FF kostete. Egal, woanders wäre es wohl auch nicht billiger. Leider wird es erst morgen günstiger, denn dann ist die Hochsaison zu Ende, und es würde nur noch 70 FF kosten.

Morgen früh werde ich also erst mal wieder die Küste entlang fahren, aber in Leder. Denn dann geht es rauf zum Grand Canyon.

Das ist im Moment alles, was ich weiß, und natürlich, daß ich sehe, daß die Zeit des Urlaubs langsam zu Ende geht. Es muß nicht erst Montag werden, bis ich spätestens wieder zurück sein muß. Ich weiß nicht genau, wie ich fahre. Berge hatte ich nun wirklich genug. Vielleicht durch die Po-Ebene bis Bozen und dann doch noch ein einziges Mal einen Paß - Timmeljoch? Oder einfach so nach Norden? Oder durchs Rhonetal? Über Paris? Der morgige Tag wird es mir zeigen.

Einen ganz besonderen Höhepunkt des heutigen Tages soll den Abschluß bilden. Nach dem Zeltaufbau war ich im Mittelmeer baden! Herrlich! Man geht direkt vom Campingplatz durch ein Naturschutzgebiet und ist nach 500m am Strand.

War das ein Tag der Gegensätze. Heute morgen noch gefroren, dann im T-Shirt gefahren, gebadet und jetzt sitze ich bei sommerlichen Temperaturen im Campingplatzrestaurant. Denke ich nur 1 Woche zurück, so war ich in Arnbach, wo ich im Regen ein 360ÖS-Zimmer genommen habe. Und jetzt! Apropos Regen. Bis jetzt: toi, toi, toi! Das bischen Regen, was ich hatte, ist nicht der Rede wert. Gute Nacht!

PS: Heute 361 Tageskilometer, Summe bisher = 4196 km.
 

Freitag, 28.8.98 - 10. Tag
Schon früh war ich heute morgen wieder auf. Am liebsten hätte ich mein Motorrad auf dem Campingplatz warmlaufen lassen. Schließlich fuhren gestern abend noch so viele Fahrzeuge rein und raus und am Pool meinten ein paar Ausgelassene diesen nur für sich zu haben. Andererseits, so schlimm war es nicht. Ich also war schon vor sieben unterwegs in der Hoffnung den Sonnenaufgang am Meer zu erleben. Pustekuchen! Der Mistral wehte - wie übrigens in den beiden vorhergehenden Tagen - und trieb die Wolken vor sich, so daß die Sonne sich nicht richtig traute.

Dennoch habe ich in St. Maxime pain au chocolat verfrühstückt. Die Temperaturen waren angenehm, fast mild - aber keinesfalls T-Shirt-Wetter. Zum Glück hatte ich das ja gestern erlebt!

Und wo wollte ich nun hin? Die Küste entlang bis Le Lavandou, St. Tropez, Prot Grimaud usw. Wie die Erinnerung doch so manches glänzen oder verblassen läßt. Die tollen Kakteen fand ich erst in Le Lavandou - ein paar wenige. Um Port Grimaud herum, ist alles zugebaut. Sogar eine Art Dauerkirmes gibt es dort - direkt neben Mc Donalds. McD gibt es übrigens auch in dieser Nobelgegend öfter - in Nice sogar direkt am Strand! Den Campingplatz in Le Lavandou fand ich dann auch. Hier wäre die Übernachtung billiger gewesen. Aber es wäre gestern auch zu weit gewesen.

Canyon Verdon
 

Nun wollte ich mir unbedingt den "weltberühmten" Grand Canyon du Verdon anschauen, der angeblich den Vergleich zum "Original" in den USA nicht zu scheuen braucht. Also bog ich ins Landesinnere ab und ließ mich von der Straße verzaubern bis ich plötzlich wieder in Port Grimaud landete. Ich wunderte mich schon, wieso es hier einen "port" geben sollte - da war doch kein Meer? Aber Port Grimaud ist einfach riesig geworden. Dann habe ich aber doch noch den Dreh bekommen und die Richtung gefunden.

Was soll ich sagen. Der Canyon endet im Lac de La Croix ... und ist schon schön. Doch wer über so viele tolle Pässe gefahren ist, denkt bei diesem Wunder der Natur eher, daß sich ein Flüßchen (mehr fließt dort nicht - zumindest jetzt Ende August) ein Bett durch die Steine gegraben hat. Dafür mußte ich mich mal wieder an vielen Dosen vorbeiklemmen, deren Fahrer schon Giraffenhälse hatten.

Mir war damit aber sozusagen von jetzt auf gleich klar: 1. das Ufer a droite ist geschenkt und 2. so schnell wie möglich nach Norden - nach Hause - jedenfalls nach Paderborn. In Tigrance - ein kleiner Ort auf einer wenig befahrenen Zwischenverbindung - nahm ich mir daher die Karte bei einem Kaffee wieder genauer vor. Die Alternativen waren dünn gesät. So ziemlich alles nördlich und östlich hätte wieder Berge bedeutet - teilweise über die Strecke der Hinfahrt. Paris war auch gestorben - zu weit. Zweimal donnerte es auch schon. Nahte wieder eine Regenfahrt?

Da ich quasi mittendrin saß, entschloß ich mich über Castellane nach Digne zu fahren. Wenn schon wieder zelten, dann möglichst tief im Tal. Von Digne über Sisteron nach Grenoble waren es noch über 200 km! Puh! Und ständig dieser wirklich starke Gegenwind! Und diese vielen Blechbüchsen! Und ...

In Tigrance war es 13:30 Uhr, um 17:00 Uhr könnte ich Grenoble erreichen. Gemeinsam mit einem Holländer+Sozia fuhr ich einige Kilometer, immer wieder und bei jeder noch kleinen Chance vorbei an der nächsten Dose. Vor einer Polizeikontrolle wurde ich zum Glück rechtzeitig duch den Gegenverkehr gewarnt (wie schon einmal bisher auf dieser Tour, aber sonst gab es noch keine Begegnung mit den Grünen/Blauen, auch gab es keine einzige Grenzkontrolle).

In Grenoble habe ich mir tatsächlich McD angetan. Ich war irgendwie doch nicht sicher: campen oder fahren. Beides hätte Vorteile. Aber es war schon wieder so kalt. Und wieder die ganze Nacht frieren? Nach ein paar Schlenkern nahm ich entschlossen die teure Dosenbahn in Richtung Chambery/Geneve. Insgesamt - mit einem kleinen Stück Umgehung Sisteron - sind so 43,5 FF draufgegangen. Was mag wohl die Strecke Mulhouse - span. Grenze inzwischen kosten?

Bei immer noch starkem Gegenwind war ich kurz vor acht in Geneve. Erstmal einen Kaffee und wieder überlegen. Langsam wurde es auch dunkel. Würde ich weiterfahren, so wäre ich wahrscheinlich irgendwann am frühen Morgen in PB. Ich brach trotzdem auf, tankte und "Augen zu und durch". Vielleicht würde ich ja doch noch einem kleinen Gasthof mit "Zimmer frei" begegnen. Ein Gasthof ist es nun zwar nicht, sondern ein richtiges Motel. 60 SFR + tax + Frühstück. Aber das ist mir wurscht. Nach heutigen 736 km, 14 Stunden auf Tour war nicht nur die Dusche toll, sondern auch der "eigene" richtige Clo mit Deckel (kein Stehklosett, und Toilettenpapier gibt es selbstverständlich auch).

Nun werde ich erstmal ausschlafen und morgen den Rest abrutschen. Vielleicht auch einige Kilometer durch den Schwarzwald? Ich glaube, jetzt nicht nicht durch die dunkle kalte Nacht zu brettern - auf Teufel komm raus - ist schon ok. Auch wenn der Spaß schon wieder kostet - aber ich fahre ja sowieso auf Kredit und die Erlebnisse nimmt mir keiner.
 

Samstag, 29.8.98 - 11. Tag
Heute ist eigentlich schon Sonntag, der 30.8. und ich bin wieder in PB. Meine Maschine habe ich auch schon gepflegt. Sie hat es verdient! Außer der abvibrierten Mutter und einer klemmenden Hinterradbremse gestern (war nur eine Kleinigkeit, die ich heute morgen behoben habe) war nichts. Der Ölverbrauch, der mich anfänglich so erschreckte, ist ganz normal mit ca. 0,3 l pro tausend Kilometer - auf der Landstr. weniger, auf der Autobahn mehr.

Alsace

Aber nun zu gestern. Am Morgen lachte die Sonne und so bin ich nicht über Lausanne nach Basel zurück, sondern direkt nach Norden in Richtung Vogesen. Doch die Wolken wurden unterwegs immer dichter und auf 1000m Höhe war es wieder schweinekalt. Auf dem Ballon d'Alsace habe ich dann endgültig den Weg nach PB eingeschlagen. In Mulhouse über die Grenze und auf die Dosenbahn. Das ging sogar ganz gut. Ab in Richtung Norden: Karlsruhe - Frankfurt: A5, dann über Marburg und Winterberg zurück.

Das, was sonst ein Tagesausflug mit der Maschine ist, habe ich sozusagen als "apres biking" drangehangen. Natürlich war ich irgendwie schneller als sonst. Aber bei dieser Traningsvorbereitung wundert mich das nicht.

Fazit: 5.777 km in 11 Tagen, ein klein wenig Regen, keine richtigen Pannen, 59 sehenswerte Straßen oder Pässe, 46 davon mit Denzel-Kennziffer, darunter 26 verschiedene über 2.000m.
 

Schlußwort:
Ich weiß nicht, ob sich Nachahmer für dieses Unternehmen finden sollen/werden. Es war so auch nicht von Anfang an geplant - es war für mich Motorradfahren pur. Mal schnell, mal gemütlich langsam - keinesfalls absichtlich Kilometer fressend. Es hat einfach nur Spaß gemacht. Meine Maschine ist übrigens eine 12 Jahre alte Yamaha XJ550 (50 PS). Der Durchschnittsverbrauch lag bei 5,11 l/100km. 1