SFB 376

SFB 376 - Teilprojekt A2

Nash Equilibria in Routing-Netzwerken


Übersicht


Stand der Forschung

Betrachtet man Kommunikationsnetzwerke, auf denen n Agenten ihre Pakete durch ein gemeinsames Netzwerk von ihrer Quelle zu ihrem Ziel schicken und dabei versuchen, ihre privaten möglicherweise unterschiedlichen) Zielfunktionen zu optimieren, ohne sich mit anderen Agenten abzusprechen, so spricht man von nichtkooperativen Netzwerken [KLO95,LO99]. Ein sehr bekanntes Beispiel ist das Internet. Ein solches Netzwerk, welchem aufgrund seiner Grösse oder Struktur eine zentrale Kontrollinstanz fehlt, kann mit Hilfe der Spieltheorie als nichtkooperatives Spiel modelliert werden [OR94]. Die Agenten wählen eine eigene private Strategie. Im Kommunikationsnetzwerk entspricht das einer Wahrscheinlichkeitsverteilung über alle Pfade von ihrer Quelle zu ihrem Ziel. Falls es den Agenten nicht erlaubt ist, eine randomisierte Strategie zu wählen, d.h., wenn sie sich für genau einen Pfad entscheiden müssen, dann sprechen wir von reinen Strategien. Jeder Agent versucht, die erwartete Latenz auf seinem Pfad zu minimieren, ohne dabei auf die globalen/sozialen Kosten zu achten. Ein Nash Equilibrium [Nas51] ist ein Zustand in einem solchen System, in dem kein Agent durch einseitiges ändern seiner Strategie seine privaten Kosten verbessern kann.

Eigene Vorarbeiten

Als Vorarbeit im Bereich Nash Equilibria haben wir vor allem das KP-Modell untersucht.

Im Fall reiner Nash Equilibria entsprechen die sozialen Kosten den maximalen Kosten eines Agenten. Zur Berechnung eines reinen Nash Equilibriums mit minimalen sozialen Kosten wurde ein polynomieller Algorithmus entwickelt, der jede Zuordnung der Benutzer zu den Links in ein Nash Equilibrium mit gleichen oder kleineren sozialen Kosten umwandelt. Dieser Vorgang wird Nashification genannt. Im Fall von identischen Links ist dies mit Hilfe von greedy selfish steps möglich, d.h. mit Schritten, in denen genau einem Agent erlaubt wird sich grösstmöglich zu verbessern. Allerdings können dabei Sequenzen mit exponentiell vielen Schritten auftreten [FGL+03]. Im Fall von related Links konnte ein polynomieller Nashification-Algorithmus entwickelt werden, dessen Schritte nicht notwendigerweise selfish steps sind [FGL+03]. Zusammen mit dem PTAS für das multiprocessor scheduling problem [HS87,HS88] erhält man ein PTAS für die Approximation des besten Nash Equilibriums.

Im Gegensatz dazu ist das schlechteste Nash Equilibrium schon auf identischen Links nicht 2-approximierbar [GLM+02]. Wir konnten eine neue obere Schranke für die Coordination Ratio angeben, die für kleine Anzahlen von Links besser ist als die bisherigen Ergebnisse [FGL+03]. Darüber hinaus haben wir einen neuen strukturellen Parameter eingeführt, der nicht, wie bisher üblich, nur von der Anzahl Links oder nur von den Kapazitäten der Links abhängt, sondern beides miteinander vereint. Dieser Parameter ermöglichte es uns, die Schranken in [CV02] leicht zu verbessern.

Ausserdem konnten wir die Fully Mixed Conjecture sowohl für identische Paketgrössen, related Links und n=2 als auch für identische Paketgrössen, identische Links und m=2 beweisen. Ferner konnten wir zeigen, dass die Fully Mixed Conjecture im Fall von unrelated Links zwar noch für 2 Agenten auf 2 Links gilt, für 3 Agenten auf 2 Links allerdings widerlegt werden kann [LMM+03].

Eine Übersicht vieler Ergebnisse sowohl im KP-Modell als auch im Wardrop-Modell haben wir in einem Übersichtspapier zusammengefasst. Es erscheint als invited paper im Tagungsband der MFCS 2003 [MFG+03].



Ziele, Methoden und Arbeitsprogramm

Wir wollen die beim Selfish Routing in Netzwerken auftretenden Probleme besser verstehen lernen. Dazu wollen wir Selfish-Routing-Modelle im Umfeld des KP-Modells und des Wardrop-Modells untersuchen. Die bisherigen Arbeiten zum KP-Modell haben noch viele Fragen offen gelassen, die wir in der kommenden Antragsphase betrachten wollen: Das Wardrop-Modell und das KP-Modell unterscheiden sich in wesentlichen Punkten. Im KP-Modell sind die Pakete nicht teilbar und die globalen Kosten sind definiert als Maximum der individuellen Kosten. Im Wardrop-Modell sind die Pakete beliebig teilbar, und die globalen Kosten sind definiert als Summe der individuellen Kosten. Im Wardrop-Modell gibt es sehr weitgehende Ergebnisse für beliebige Graphen, im KP-Modell sind wir gerade dabei, die Eigenschaften des Spieles mit zwei Knoten zu verstehen. Als wesentlichen Grund für diesen Unterschied sehen wir die Teilbarkeit der Pakete an. Im Wardrop-Modell kann man Methoden der konvexen Optimierung benutzen, das Nash Equilibrium ist eindeutig. Im KP-Modell existieren im Allgemeinen viele Nash Equilibria mit sehr unterschiedlichen Kosten, und methodisch bewegt man sich im Bereich der kombinatorischen Optimierung. Wir wollen das Zusammenspiel der verschiedenen Parameter dieser beiden Modelle untersuchen und werden dazu die folgenden drei Modelle betrachten:
  1. Individuelle Kosten wie im KP-Modell
    Globale Kosten = Summe der individuellen Kosten
  2. Individuelle Kosten wie im Wardrop-Modell
    Globale Kosten = Maximum der individuellen Kosten
  3. teilbare Pakete, aber Latenz eines Pfades definiert als Maximum der Latenz der Kanten
    Globale Kosten = Maximum der individuellen Kosten
Dabei werden wir unser Modell (1) zuerst wieder auf das einfache Netzwerk mit zwei Knoten und parallelen Kanten beschränken. Ziel der Untersuchung ist ein besseres Verständnis dafür, welche Parameter für welche Eigenschaften verantwortlich sind. Alle drei Modelle haben auch praktische Bedeutung. Modell (1) ist die Diskretisierung des Wardrop-Modells, Modell (2) hat die gleichen Equilibria wie das Wardrop-Modell und die Kundenzufriedenheit als Optimierungsziel. Modell (3) spiegelt das Routing in Kommunikationsnetzwerken wider, das stärker durch die maximale Belastung einer Kante als durch die Summe der Kantenbelastung gegeben ist.

Natürlich wollen wir auch versuchen, Ergebnisse über Nash Equilibria im Fall nicht teilbarer Pakete für allgemeinere Netzwerke als das aus lediglich zwei Knoten und m Links bestehende Netzwerk im KP-Modell zu erhalten.

Die im Selfish Routing erlangten Erkenntnisse wollen wir auch auf verwandte Szenarien anwenden. Untersuchen werden wir z.B. das aus dem k-Partitionierungsproblem abgeleitete Partitionierungsspiel, in dem die Lasteinheiten selbstständige Agenten sind und das globale Ziel darin besteht, die Zahl der externen Kanten zu minimieren oder die ``Form'' der Partitionen zu optimieren. Hier wissen wir aus eigenen Vorarbeiten, dass eine gewisse Zusammenarbeit gegenüber rein lokalem Vorgehen Vorteile bringt. Die Möglichkeiten und Grenzen dieses Ansatzes sollen detailiert untersucht werden.

Nach dem Satz von Nash existiert stets ein Nash Equilibrium. Offen ist noch, ob sich für ein beliebiges Spiel ein Nash Equilibrium stets in polynomieller Zeit berechnen lässt. Dies ist wohl die prominenteste offene Frage in diesem Themenkreis, und wir werden sie im Auge behalten.



Stellung innerhalb des Programms des Sonderforschungsbereichs

Kooperation mit A3
In den bisherigen Antragsphasen wurden im Teilprojekt A3 unter anderem lokalen Heuristiken und Verfahren zur Berechnung von Lösungen für das Graphpartitionierungsproblem (Helpful Sets) und das Lastbalancierungsproblem (Diffusion) auf verteilten Netzwerken entwickelt. Dabei wurde immer davon ausgegangen, dass die Prozessoren sich gutmütig bezüglich der globalen Zielfunktion verhalten.

In der kommenden Antragsphase sollen die obigen Verfahren so erweitert werden, dass auch eigensinnige Prozessoren zulässig sind. Hierzu sollen die im Teilprojekt A2 entwickelten Methoden genutzt werden. In Kooperation mit A3 soll insbesondere analysiert werden, in wie weit sich die Eigensinnigkeit der Prozessoren auf die Güte der berechneten Lösung auswirkt.



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Nashification and the coordination ratio for a selfish routing game.
In Proceedings of the 30th International Colloquium on Automata, Languages and Programming (ICALP), pages 514-526, 2003.

[LMM+03]
T. Lücking, M. Mavronicolas, B. Monien, M. Rode, P. Spirakis, and I. Vrto.
Which is the worst-case nash equilibrium?
In Proceedings of the 28th International Symposium on Mathematical Foundations of Computer Science (MFCS), pages 551-561, 2003.

[LMR02]
T. Lücking, B. Monien, and M. Rode.
On the problem of scheduling flows on distributed networks.
In Proceedings of the 27th International Symposium on Mathematical Foundations of Computer Science (MFCS), pages 495-505, 2002.



Sonstige Publikationen

[GLM+02]
M. Gairing, T. Lücking, M. Mavronicolas, B. Monien, and P. Spirakis.
Extreme nash equilibria.
Technical Report FLAGS-TR-03-10, Universität Paderborn, 2002.

[MFG+03]
B. Monien, R. Feldmann, M. Gairing, T. Lücking, and M. Rode.
Selfish routing in non-cooperative networks: A survey.
In Proceedings of the 28th International Symposium on Mathematical Foundations of Computer Science (MFCS 2003), pages 21-45, 2003.



Thomas Luecking 2003-09-04